Tassilo - ein kurzer Erdenweg

21.08.2019

Tassilo Reckling
Wegweiser
Surftipps
Naturmaterialien für die Kinder Bastelgruppe
Günstige Reisen für Familie und Kind
Empfehlungen
 
Erinnerungen

Erinnerungen an den Schüler Tassilo Reckling

(*8.Januar 1969 †27.Mai 1985)

Zu Pfingsten 1985 verunglückte tödlich der Schüler der zehnten Klasse Tassilo Reckling. An ihn wollen wir uns heute erinnern. Der Einblick in die Charakterisierungen von neun Schuljahren soll uns ein Bild von Tassilo ermöglichen, das die Äußerungen der Mutter ergänzen werden.

Im Jahre 1975 war Tassilo in die erste Klasse aufgenommen worden. Seine Lehrerin, Gisela Ahlert, gibt ihm am Ende des Schuljahres einen bezeichnenden Zeugnisspruch:

Die ganze Welt mir gut gefällt,
so Sonne, Mond und Stern,
wo Berg und Blume, Mensch und Tier,
schenkt jedes seine Gabe mir,
und jedes schenkt sie gern...

Reich beschenkt mit Gaben mancherlei, schwankt Tassilo zwischen Musterschüler und Musterbengel hin und her, er möchte vom Lehrer gelobt und von den Mitschülern bewundert werden. "Mit Freude und Inbrunst" spricht er die Gedichte mit, beim Formenzeichnen ist er "kaum zu überbieten", "ausgewogen" stehen die geraden und geschwungenen Linien auf dem Blatt. Und auch von der guten Vorstellungsgabe beim Nacherzählen ist im Zeugnis die Rede.

Für die zweite Klasse stellt die Handarbeitslehrerin fest, dass Tassilo ganz "gleichmäßig" strickt und häkelt, er kann selbständig mit dem Gelernten umgehen. Für die Klassenlehrerin ist Tassilo nach zwei Schuljahren von einigen Schülern überrundet worden, was der, der am liebsten der Erste geblieben wäre, erst verkraften lernen muss.

Am Ende des dritten Schuljahres ist endlich die große Mitteilsamkeit erwähnt, die Tassilo auszeichnet und andere zuweilen stört. Er sei von allen Seiten zu sehen, das echte Profil, das linke Profil, der Scheitel von hinten, gelegentlich auch "en face"... Die Hinwendung zur Außenwelt, zur Arbeitswelt der Erwachsenen, entspreche seinem Anliegen. "Voller Energie, brennend vor Begeisterung, fiel es ihm schwer, geduldig zu warten, Geduld muss er sich hart erringen", schreibt die Klassenlehrerin. Und: Aufsätze schreibt Tassilo im Stil der Erwachsenen, Erzählungen sind anschaulich und ausführlich.

Im vierten Schuljahr hat er gelernt, sich zurückzunehmen und in den Klassenkameraden Gleichberechtigte zu sehen. Er ist "gutwillig" und "bestrebt, es recht zu machen". Aber: er soll Rücksicht nehmen nicht nur auf Menschen, sondern auch auf Situationen um ihn herum. Seine Sorgfalt wir allenthalben gerühmt. Zu Herzen soll er sich nehmen, dass seine laute Vernehmbarkeit zuweilen auch stören kann. Der Turnlehrer Jürgen Liebel schreibt, Tassilo solle "den Ehrgeiz ausbooten und stattdessen die Freude an der Bewegung zu seinem Bundesgenossen machen". Den Zeugnisspruch für die fünfte Klasse, der ihm der liebste ist, schreibt er vier Jahre später zum Abschied von der Klassenlehrerin noch einmal besonders schön auf:

Immer klar aufs rechte Ziel
soll mein Auge dringen
nur das Gute, was ich denk,
mein Hand vollbringen...

(Quelle: Freie Waldorfschule Kassel, Nummer 12, Juli 2003)

Reckling Services. Alle Rechte vorbehalten. | Impressum